Ich habe viele Talente. Manche davon sind sogar nützlich. Andere eher so mittel. Und dann wäre da noch mein Sarkasmus. 🙈
Der funktioniert bei mir ziemlich zuverlässig. Schnell, spontan und meistens völlig ungefragt. Noch bevor ich darüber nachdenken kann, ob ein Kommentar gerade wirklich nötig ist, hat mein Mund ihn oft schon ausgesprochen. Ich persönlich finde mich dabei meistens ziemlich lustig. Andere Menschen offenbar nicht immer.
Die Sache mit meinem Tonfall
Auf der Arbeit kam es mehr als einmal vor, dass sich Kolleginnen oder Kollegen hinter meinem Rücken über meinen Tonfall oder meine Art beschwert haben. Natürlich nicht direkt bei mir. Wo kämen wir denn da hin? Am Ende müsste man noch miteinander reden und ein Missverständnis klären.
Ein besonders schönes Kindergarten-Beispiel möchte ich euch nicht vorenthalten. Es war Feierabend und fast alle waren schon weg. Ein Kollege war noch in der ersten Etage und wollte gerade gehen. Also rief ich hoch, ob er bitte noch die Türen schließen könnte.
Seine Antwort: „Ist nicht meine Aufgabe.“
Ich meinte daraufhin, dass es ziemlich blöd wäre, wenn später jemand zum Abschluss noch einmal überall herumlaufen und sämtliche Türen schließen müsste. Kurzes Genörgel, kurzes Gegrummel – dann wurden die Türen doch geschlossen.
Am nächsten Tag erfuhr ich von einer Kollegin, wie sehr er sich darüber aufgeregt hatte. Wie könne ich nur mit ihm so sprechen. Hörrma. Ach ja, und ungefähr eine Woche lang wurde ich nicht mehr mit „Guten Morgen“ oder „Hallo“ begrüßt. Gekonnt ignoriert.
Sehr erwachsen. Sehr professionell.
An meinem Ton kann ich übrigens nur bedingt etwas ändern. Der klingt manchmal einfach ein bisschen … pissig? Biestig? Leicht angefressen? Keine Ahnung. Dabei ist das meistens nur mein normaler Umgangston. Ich bin nicht zwangsläufig genervt. Ich klinge nur so.
Für meine Wortwahl und meinen Sarkasmus kann ich natürlich etwas. Man muss mir nur direkt sagen, wenn etwas falsch angekommen ist. Gedankenlesen gehört leider nicht zu meinen Talenten. 😅
Ich mache einen Witz. Die Stimmung verlässt den Raum.
Mein Sarkasmus kommt meistens trocken, direkt und mit komplett ernstem Gesicht. Für mich ist völlig offensichtlich, dass ich gerade einen Witz mache. Für andere offenbar nicht.
Das merke ich dann an diesem kurzen Blick, bei dem ich sofort weiß: Okay. Der kam nicht an. Dann lächle ich meistens etwas zu spät, um zu zeigen, dass es nur Spaß war. Mein Gesicht sagt dabei allerdings eher: Ich bereue nichts.
Menschen, die mich länger kennen, verstehen meinen Humor meistens. Sie wissen, dass ein trockener Kommentar nicht automatisch bedeutet, dass ich jemanden nicht mag. Im Gegenteil: Wenn ich jemanden mag, steigt die Wahrscheinlichkeit sogar, dass ich ihn aufziehe.
Zu nett für ein Nein, zu sarkastisch für freundlich
Das Absurde ist, dass ich gleichzeitig ein ziemlich ausgeprägter People Pleaser bin. Ich möchte niemanden enttäuschen, sage viel zu oft Ja und mache mir später noch Gedanken darüber, ob ich jemandem versehentlich auf die Füße getreten bin.
Nach außen wirke ich währenddessen offenbar wie eine schlecht gelaunte Empfangsdame kurz vor Feierabend. Innen schlechtes Gewissen. Außen Tonfall mit Beschwerdestelle.
Passend dazu gab es einmal ein Team-Event, bei dem alle Kolleginnen und Kollegen positive Eigenschaften auf Zettel schreiben und an die Pinnwände der anderen heften sollten. Wertschätzung allerseits und so. 🤡
Bei den allen anderen standen Dinge wie freundlich, zuverlässig, aufmerksam oder sympathisch. Und bei mir? Hilfsbereit. Ach, und witzig! Na danke.
Nicht schlecht, natürlich. Aber wenn bei allen anderen gefühlt halbe Charakteranalysen hängen und bei mir zwei Begriffe stehen, fragt man sich schon kurz, ob man ansonsten keinerlei menschliche Eigenschaften besitzt.
Warum mich manche Menschen für unfreundlich halten
Auch in früheren Jobs kam meine Art nicht immer gut an. Eine Kundin bezeichnete mich einmal als „bräsige Verkäuferin“. Andere bekommen Auszeichnungen. Ich bekomme kreative Beleidigungen.
Was mich an solchen Situationen aber am meisten stört, ist nicht, dass jemand meinen Tonfall nicht mag. Damit kann ich leben. Nicht jeder muss mit meiner Art klarkommen. Ich komme schließlich auch nicht mit jedem Menschen klar.
Schwierig finde ich eher dieses Hinter-dem-Rücken-Beschweren. Wenn etwas falsch ankommt, sagt es mir doch einfach. Vielleicht war es anders gemeint. Vielleicht war mein Ton tatsächlich daneben. Vielleicht war der Sarkasmus unangebracht. Alles möglich. Aber wenn niemand etwas sagt, kann ich auch nichts erklären oder ändern.
Stattdessen wird plötzlich nicht mehr gegrüßt, Gespräche verstummen und alle wissen offenbar, was das Problem ist – außer mir. Fast wie Schule. Nur mit Gehalt.
Über meine allgemeinen Glanzleistungen in sozialen Situationen habe ich übrigens schon in meinem Beitrag „Socially Awkward“ geschrieben. Natürlich kann Sarkasmus verletzend sein. Nicht jeder Spruch ist okay, nur weil er als Witz gemeint war. 👽
Manchmal treffe ich den falschen Ton. Und manchmal merke ich es erst abends im Bett, wenn mein Overthinker-Hirn jede Unterhaltung noch einmal mit Untertiteln und Fehleranalyse abspielt.
Trotzdem glaube ich nicht, dass ich grundsätzlich unfreundlich bin. Ich kann besser auf meine Wortwahl achten, mich erklären und mich entschuldigen, wenn etwas wirklich daneben war. Ich habe also wahrscheinlich nur einen gewöhnungsbedürftigen Humor, einen gelegentlich pissigen Tonfall und manchmal ein eher mittelmäßiges Gespür für den richtigen Moment.
Aber hey – niemand ist perfekt. Und falls doch, wäre das vermutlich auch ziemlich unsympathisch.





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