Es ist mal wieder Zeit für eine Runde Sonntagsgedanken aus meinem Chaos-Hirn. Heute mit einer Eigenschaft, die ich wirklich hervorragend beherrsche. Leider komplett unnötig, aber gut: People Pleasing. Kann ich. Sehr gut sogar. Fast schon mit Berufserfahrung. 😅
Bloß niemanden enttäuschen. Bloß nicht anecken. Lieber noch dreimal überlegen, ob man irgendwas falsch gesagt hat, während die andere Person vermutlich längst ihr Abendbrot isst und keinen einzigen Gedanken mehr daran verschwendet. Läuft. Nach außen ist natürlich alles fein. Klar. Kein Problem. Mach ich. Passt schon. Und innerlich? Da läuft währenddessen eine kleine Krisensitzung. 🙃
„Nee, alles gut“ – die größte Lüge meines Alltags
Ich kenne diese Situation zu gut. Jemand fragt:
„Ist alles in Ordnung?“
„Hast du ein Problem damit?“
„Ist das okay für dich?“
Und selbst wenn ich innerlich schon eine komplette PowerPoint-Präsentation vorbereitet habe, warum eben nicht alles okay ist – mit Stichpunkten, Drama und Fazit – kommt aus meinem Mund höchstens:
„Nee, passt schon.“
Vor allem bei fremden Menschen. Meine Unzufriedenheit äußern? Schwierig. Da muss die Bude schon lichterloh brennen. Und / oder explodieren.
Und selbst dann würde ich wahrscheinlich sagen:
„Ach, halb so wild.“
Klassiker des People-Pleasings
Es sind ja nicht mal immer die großen Dinge. Oft sind es diese kleinen Alltagssituationen, die sich heimlich summieren. Essen gehen zum Beispiel.
„Hat es geschmeckt?“
Nein. Es war trocken, traurig und ich kaue seit zehn Minuten tapfer auf dieser Enttäuschung herum.
Gesagt wird:
„Ja, voll lecker!“
Warum? Keine Ahnung. Vielleicht, weil ich Angst habe, dass die Bedienung traurig wird. Oder die Küche. Oder der Teller. Mein Gehirn macht da manchmal sehr wilde Sachen.
Oder beim Friseur. Ich sitze da, sehe in den Spiegel und erkenne mich kurz selbst nicht mehr wieder. Die Schere war offenbar im Kampfmodus, mein Pony hat eigene Lebensentscheidungen getroffen und irgendwo in mir verabschiedet sich gerade leise mein altes Ich. Oder die Friseurin knallt mir eine Kante der Hölle in die Seite und ich heule ein halbes Jahr lang, weil aus „Spitzen“ schneiden bei Brustlänge einfach ein schiefer „Bob“ geworden ist, der nicht einmal auf der Schulter liegt. 2025 passiert.
„Und, gefällt’s dir?“
Gesagt wird:
„Ja! Mega schön!“
Innerlich:
Ich trauere gerade. Bitte gib mir drei bis fünf Werktage. 😭
Und zuhause google ich dann panisch: „Wie schnell wachsen Haare nach?“
Ganz normal. Völlig stabil.
Wenn Kleinigkeiten plötzlich nicht mehr klein sind
Noch schlimmer sind aber die Dinge, zu denen ich nichts sage, weil ich denke:
„Ach, das tut nicht Not.“
„Ist nicht so schlimm.“
„Kann ich aushalten.“
„Will jetzt auch nicht schwierig sein.“
Spoiler: Es tat Not. Es war schlimm. Und aushalten kostet Energie. Mehr, als ich mir in dem Moment eingestehen will. Im Nachhinein denke ich dann:
„Hättest du einfach kurz was gesagt.“
Ja. Hätte ich. Theoretisch. In einer alternativen Version von mir, die Grenzen setzt, entspannt Nein sagt und wahrscheinlich auch ihre Steuerunterlagen sortiert hat. Also reine Fantasie. 🙃
Aber nochmal ansprechen? Um Gottes willen. Das ist ja noch unangenehmer. Dann kommen Sätze wie:
„Hättest du früher was gesagt.“
Oder: „Jetzt ist es zu spät.“
Ja, danke. Das Kind liegt bereits im Brunnen. Zusammen mit meiner Meinung, meinem Mut und meinem Rückgrat. Ich winke von oben und tue so, als wäre alles genau so geplant gewesen.
Mehr Ich, weniger „passt schon“
Ich glaube, genau das ist das Fiese am People Pleasing. Nett sein klingt erstmal schön. Rücksicht nehmen auch. Ich möchte ja schließlich nicht mit der emotionalen Abrissbirne durch den Alltag laufen. Aber irgendwo zwischen „Ich nehme Rücksicht“ und „Ich ignoriere mich komplett“ gibt es eben eine Grenze. Ja, ich weiß. Das passt irgendwie nicht so richtig zu meiner sarkastischen Seite, bei der ich auf andere vermutlich eher wie das komplette Gegenteil wirke. Dafür passt es erschreckend gut zu meiner Socially Awkward-Veranlagung. 🙈
Für die Zukunft wünsche ich mir deshalb vor allem eins: Netter zu mir selbst sein.
Mehr Grenzen mitteilen. Mehr Grenzen ernst nehmen. Mehr „Nein“ statt „passt schon“. Mehr „Das möchte ich nicht“ statt „Ach, egal“. Und weniger innerlich kochen, während ich äußerlich lächle wie ein schlecht programmierter Service-Roboter. 🙃
Ob das immer klappt? Ganz sicher nicht. Dafür kenne ich mich zu gut. Aber vielleicht klappt es zumindest manchmal ein kleines bisschen besser als gestern. Und wer weiß – vielleicht sage ich beim nächsten Friseurbesuch tatsächlich, dass mir die Frisur nicht gefällt. Vielleicht auch nicht. Man muss ja realistische Ziele setzen. 😅








Schreibe einen Kommentar