Sonntagsgedanken: „Socially Awkward“? Ja. 👽

Ich bin ein bisschen anders. Ja, das behauptet wahrscheinlich jeder von sich selbst. Wir sind alle unterschiedlich. Aber ich? Ich bin wirklich ein bisschen verschoben. Vielleicht schräg, vielleicht ungewöhnlich. Nicht besser oder schlechter, nur… anders. Und das spüre ich in fast jeder Begegnung – meistens in Form von kleinen Herzrasen-Momenten, peinlichem Schweigen oder dem klassischen „Oh nein, die müssen doch denken, ich bin komplett bescheuert?!“-Gefühl.

Auf fremde Menschen zugehen? Für mich ein kleines Horrorszenario. Ich habe nicht nur eine leichte Sozialphobie, ich bin auch socially awkward. Sozial unbeholfen, ungeschickt, manchmal fast verloren in den kleinen Regeln des Miteinanders. Ich male mir im Kopf Szenarien aus, bereite das perfekte Gespräch vor – nur um dann, wenn es soweit ist, alles zu versemmeln. Worte stolpern, Gedanken verschwimmen, und der Eindruck, den ich hinterlasse, ist oft eher „komisch“ als „cool“.

Oft hoffe ich heimlich, dass andere den ersten Schritt machen. Dass sie das Gespräch beginnen, damit ich mich nicht überwinden muss. Und doch – in all diesen Momenten spüre ich auch eine gewisse Sehnsucht: nach Verbindung, nach ehrlicher Begegnung, nach einem kleinen Zeichen, dass ich trotzdem verstanden werden könnte.

Ratschläge, wie man selbstbewusster wirkt oder souveräner auftritt, gibt es viele. „Lächle mehr!“, „Steh gerade!“, „Sprich deutlicher!“ – ich habe sie alle gehört. Funktioniert meistens nur, wenn man gerade keinen inneren Film von 47 peinlichen Szenen gleichzeitig abspielt.

Zum Beispiel: Ich stehe in einem Meeting, will eine einfache Frage stellen, und plötzlich kramt mein Gehirn in einer Liste aller möglichen Fehltritte der letzten drei Jahre. Ergebnis: Ich stottere, vergesse das Wort „Termin“ und sage stattdessen „Treffen… äh… Zusammenkunft… na ja, ihr wisst schon.“ Stille. Blickkontakt. Irgendjemand nickt. Ich nicke zurück. Trotzdem Chaos.

Es ist schwer, sich selbst mehr Sicherheit anzutrainieren, ohne sich dabei zu verlieren. Und ehrlich gesagt: Ich will mich gar nicht für die Masse verändern. Ich bin so, wie ich bin. Menschen, die mich kennen und mögen, mögen mich deswegen – für meine kleinen Ecken und Kanten, für mein Anderssein.

Nicht jeder muss laut, selbstbewusst und gerade durchs Leben laufen. Manche von uns haben Schultern, die eher zurückhaltend hängen, ein Lächeln, das nervös ist, statt strahlend. Und das ist okay.

Lange Zeit hat mich mein Anderssein geärgert. Besonders auf der Arbeit, wo ich viel mit fremden Firmen zu tun hatte. Handwerker, Kunden, Termine – und immer wieder dasselbe Feedback: Ich wirke nicht seriös genug. Kein Wunder, dass mich das wurmte. Ich wusste, wovon ich rede. Ich hatte Ahnung. Aber die Art, wie ich es rüberbrachte, wirkte… naja, „speziell“. Manche Menschen haben dann noch das Talent, einen unsicher zu machen. Einmal unsicher, gerate ich ins Verplappern, die Gedanken stolpern – und schon bin ich wieder dieser merkwürdige Eindruck, den ich eigentlich vermeiden wollte. Aber: wahrscheinlich wird sich das einfach nie ändern.

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Selbstportrait mit etwas Magie von Gemini 🎨

Und trotzdem: Ich lache jetzt öfter über mich selbst. Über all die kleinen Missgeschicke, die unbeholfenen Momente und über das riesige Drama, das ich manchmal im Kopf abspiele, bevor überhaupt jemand ein Wort gesagt hat.

Was ich eigentlich sagen will? Vielleicht nur, dass es okay ist, verschoben, unbeholfen und anders zu sein – so bin ich eben. Ich wollte einfach mal wieder meinen Gedanken freien Lauf lassen. Socially awkward zu sein gehört zu mir und ist ein Teil von dem, was mich ausmacht. 👽 Ich habe jetzt übrigens beschlossen, dass ich das Thema Sonntagsgedanken zu einer persönlichen Blogreihe mache, in der ich in Abständen mal meine Gedanken über mich mitteile. Gar nicht lange darüber nachdenken, wie ich was am besten formulieren könnte oder die Worte ewig in den Entwürfen lässt… einfach raus mit den Gedanken.😊



17 Antworten zu „Sonntagsgedanken: „Socially Awkward“? Ja. 👽“

  1. So eine tolle Blogreihe! Ich freu mich auf mehr solche Texte, das ist äußerst relatable. Kann mich da immer nur wiederholen, fühle diese Gedanken so sehr!

  2. Ich kann Deine Gedanken und Worte gut mitfühlen. Ich fühle mich oft auch wie eine Außerirdische auf diesem Planeten und kenne das Gefühl dass man eigentlich mehr aus sich raus kommen mag, aber irgendwie funktioniert es wieder nicht. Bin gespannt auf die weiteren Gedanken, die hier entstehen. Übrigens sehr schönes Foto! LG Edeline

    1. Tatj

      Danke dir!
      Dann hat der Emoji 👽 ja mal richtig gut gepasst!

  3. Also erstmal: So ein schönes Foto. Ich hoffe Gemini hat nicht zu viel an dir verändert, denn das Bild ist wirklich schick!
    Und ja, ich tue mich auch unglaublich schwer damit auf Fremde zuzugehen. Es gelingt mir nur, wenn ich das für meine Kinder machen muss, weil ich dann selbstbewusst auftreten muss. Ich habe auch oft Angst zu unbeholfen oder gar dumm zu wirken…

    1. Tatj

      Danke dir! 😊
      N bisschen das Gesicht habe ich verändert. Vielleicht wage ich mich irgendwann ans Original, ohne mein Gesicht immer und immer wieder zu bearbeiten 🙈
      Das kann ich gut nachvollziehen, für die Kinder muss man sich überwinden, für sich selbst rückt das dann doch irgendwie wieder nach hinten.

  4. Oh, Sonntagsgedanken ist ein schönes Format, hier schaue ich sicherlich öfter rein.

    Ich kann das sehr gut nachvollziehen. In mir wohnt ja auch ein kleiner Imposter und irgendwie hab ich auch lange gebraucht, um in sozialen Situationen in mir zu ruhen. Als Jugendliche wurde mir nachgesagt, ich wirke „arrogant“, dabei war ich eigentlich nur schüchtern.
    Dann war ich lange zu laut und zu hibbelig. Mittlerweile schaffe ich es meistens, in sozialen Situationen in mir zu ruhen, aber hin und wieder kommen die alten Gefühle in bestimmten Situationen wieder hoch. Dann fühle ich mich mit 44 manchmal noch wie mit 14.

    Liebe Grüße
    Kerstin

    1. Tatj

      Ui, freut mich, wenn dir die Reihe zusagen wird 🤗
      Ja, arrogant verwechseln einige mit einfach nur schüchtern sein. Habe ich schon öfters gelesen. Mir geht es in sozialen Umfeld ähnlich, ich weiß, ich sollte lieber still sein – aber dann sagt jemand was und es sprüht nur aus mir heraus und hinterher fragt man sich…. wiesoo 🙈

  5. Moira

    Ich sehe mich auch als Außerirdische und gewisse Dinge tue ich ungern, weil sie mich „überfordern.“

  6. Mit der Zwischenmenschliche Etikette habe ich auch so meine Probleme… aber ich glaube ich wirke oft impulsiv und aufdringlich bei Kontaktaufnahme und deswegen versuche ich eher mich zu zügeln XD

    Aber „mehr lächeln“ sagt man zu mir auch oft

    1. Tatj

      Wir sind schon alle etwas 👽, oder?
      Aber das stelle ich mir auch spannend vor, also dass du dich schon quasi zügeln musst bei Kontaktaufnahmen😅

  7. Liebe Tatj,

    ich fühle mit dir. Ich bin auch so. In jeder ruhigen Minute denke ich an tausend Momente, in denen ich social awkward war. Leider merke ich mir sowas viel zu gut. Ich bin introvertiert, overthinker, social awkward und neurodivergent. Viel Futter für mein Hirn. Das mit dem Unsichermachen kenne ich nur zu gut. Da reicht es, wenn jemand aufhört zu reden, wenn ich den Raum betrete. Sofort rast mein Hirn und ich denke „Oh Gott, die mögen mich nicht.“ Was auch immer wieder passiert: wenn ich mich zu einer Gruppe dazugesellen möchte und sie sich genau in dem Moment auflöst. (zB die Küchenparty, bei der dann plötzlich alle ins Wohnzimmer tigern. Passiert bestimmt nie mit Absicht, aber was mein Hirn daraus macht.)

    Du bist nicht allein. Und ich danke dir für dein Sichtbarmachen, dass man selbst mit seiner Verschrobenheit normal ist. <3

    Liebe Grüße
    Wiebke

    1. Tatj

      Danke dir Wiebke!
      OMG ja! Alles was du sagst! 👐 Besonders, wenn es plötzlich still wird oder alle aufstehen und gehen! Ich fühls so sehr! Dabei ist es meist völlig unbegründet! Aber die Oscar-Verleihung spielt schon im Kopf…

      Es ist so schön – aber besonders beruhigend, dass es einige gibt, denen es einfach ganz genauso geht!

  8. Hallo Tati

    Ich glaube diese Situationen kennt wohl jeder, der eine mehr und der andere weniger. Leider mache ich mir auch zu viel nem Kopf. Mal begründet, mal unbegründet.

    Dadurch mache ich mir das Leben selbst ziemlich schwer.
    Aber wir sind durch unsere Erfahrungen geprägt. Manchmal müsste es einen Radiergummi geben, um besonders negative Erafhrungen zu löschen. Aber andererseits? Diese haben uns ja erst zu den Menschen gemacht, der wir sind. Manche Fehler würden wir so ja in der Zukunft nicht mehr machen bzw anders damit umgehen.

    Liebe Grüße, Anja

  9. Ohhhh ja, ich weiß so gut, was du meinst. Ähnlich wie du habe ich für mich aber irgendwann akzeptiert, dass ich halt nicht „easy-going“ bin und wer weiß wie holterdiepolter-selbstsicher. Dafür achte ich aber sehr auf die feinen Signale meiner Mitmenschen und bin ziemlich empathisch. Ich arbeite daran, mir selbst nicht ganz so sehr im Weg zu stehen mit dem ewigen Overthinking, aber davon mal abgesehen möchte ich eigentlich gar nicht anders sein.

    Liebe Grüße
    Anne

    1. Tatj

      Ja, die Zeiten in denen man unbedingt „normal“ sein wollte verblassen langsam und man möchte nur noch man selbst sein, oder? 🙂

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