Warum ich von meinen Rückfall niemandem erzählen wollte
Zuckerfrei – aber nicht immer. Wochenlang keine Softdrinks. Keine Mezzo Mix, keine Limo, keine süßen Säfte. Für viele vielleicht nichts Besonderes – für mich war es ein riesiger Schritt. Denn genau da liegt mein Schwachpunkt: Zucker in Getränken. Ich war stolz. Das Beitragsbild ist Attrappe, hab‘ keins mit einem Glas Mezzo Mix.
Mein Projekt Zuckerfrei hat so gut funktioniert und auch danach lief es gut. Mein Körper fühlte sich stabiler an, mein Energielevel konstanter, der Heißhunger war weg. Alles lief richtig gut – bis ich wieder in den alten Job zurückkehrte. Und dann kam dieser eine Nachmittag.
Gestresst, müde, überfordert. Ich hatte Mittagspause. Musste in den nächsten Supermarkt – und da war sie: kühl, prickelnd, vertraut. Mezzo Mix. Ich griff zu. Ein Schluck – und sofort dieses süße, beruhigende Gefühl. Und gleichzeitig das leise: „Verdammt.“
Nur eine Flasche, dachte ich. Aber aus einer wurden mehrere. Und am Ende? Ein paar Kisten später, sieben Kilo mehr auf der Waage – obwohl ich eigentlich abnehmen wollte. So sieht es aus, wenn Stress und Verlangen übernehmen.
Ich hab’s niemandem erzählt. Nicht, weil es ein Drama war – sondern weil ich mich geschämt habe.
Ich fragte mich: „Warum fühle ich mich so schwach – wegen einer Limo?“
Also tat ich so, als wäre nichts passiert. Doch innerlich war etwas gekippt. Nicht nur der Zuckerspiegel, auch meine Motivation. Ich habe wieder gezweifelt.
Warum ich das teile
Weil Veränderung nicht im Perfektsein liegt – sondern darin, ehrlich zu bleiben, wenn’s nicht klappt. Viele scheitern nicht am Rückfall selbst, sondern an dem Gedanken danach: „Na toll, wieder versagt.“ So habe ich auch erstmal lange gedacht. Aber das stimmt nicht. Ich habe nicht versagt – ich habe gelernt.
- Softdrinks sind für mich emotional, nicht nur geschmacklich.
- Ich greife zu, wenn ich gestresst bin – wie andere zu Kaffee oder Wein.
- Wenn ich wirklich verzichten will, brauche ich Strategien, nicht nur Willenskraft.
Was ich heute anders sehe
Rückfälle sind keine Niederlagen – sie sind Hinweise. Sie zeigen, wo’s schwierig wird und warum. Heute frage ich mich, bevor ich zur Flasche greife:
- Habe ich Durst – oder brauche ich gerade Trost?
- Geht’s um Süßes – oder um eine Pause vom Stress?
- Gibt’s etwas, das mir jetzt guttut, aber ohne Zucker?
Und wenn’s trotzdem mal wieder eine Mezzo Mix wird? Dann ist das kein Weltuntergang.
Für alle, die das kennen
Ihr seid nicht allein. Softdrinks sind überall – billig, verfügbar, verlockend. Aber ihr dürft lernen, ohne euch zu verurteilen. Ihr dürft neu anfangen – jeden Tag. Und ihr dürft rückfällig werden, ohne euch selbst aufzugeben.
Ehrlich zu bleiben ist stärker, als perfekt zu sein. Ja, ich bin rückfällig geworden. Ja, es war nicht „nur“ eine Mezzo Mix. Und ja – ich mache weiter. Manchmal gönn ich’s mir. Und manchmal (hoffentlich oft) verzichte ich. Weil’s mir guttut. Weil’s mir wichtig ist. Und weil es um Bewusstsein geht.



6 Gedanken zu „Warum ich von meinen Rückfall niemandem erzählen wollte“
Anja
Lass dich drücken. <3 Ich bin stolz auf dich. Ich glaube es geht gar nicht darum, nie Rückfällig zu werden, sondern darum, nicht aufzugeben und trotz Rückfall seinen Weg zu gehen.
Du schaffst das, und wenn du mal 1-2 Mexxo trinks. Sei nicht so hart zu dir <3
Wichtig ist vorallem, das du offen und erhlich zu dir selbst bist, wie du ja auch schon geschrieben hast 🙂
Und die anderen Menschen? Sie können oft nur Urteilen, ohne zu wissen, wie hart der Kampf für die jeweilige Person ist. Daher achte gar nicht so sehr auf sie.
Für mich war zb Rauchen lange Zeit ein Bestandteil meines Lebens. Sehr lange.
Ich wollte immer mal wieder aufhören. Zumindest dachte ich es. Durch Stress und Co. konnte ich es nie. Doch letztendlich war es auch mein Kopf bzw der nicht vorhandene Ergeiz, der mich hinderte, es durchzuziehen. Dann kam der Punkt, das ich Schwanger wurde und Probleme mit dem Blutruck bekam. Tja, was soll ich sagen? 😂
Ich habs echt geschafft. Mittlerweile sind es schon 7 Jahre, wo ich schon nicht mehr rauche.
Und auch du schaffst das, auch wenn du dir hin und wieder Mexxo Mix gönnst. <3
Tatj
Danke ♥️ Hach ja, da sagst du was!
Das ist bei mir auch ein ewig langer Kampf, endlich mal damit aufzuhören. Zumindest ein Stück weit hab‘ ich es schon geschafft…
Erik
Ich trinke auch gerne Softdrinks. Als Sportler ist das natürlich nicht so gut. Deshalb habe ich vor einigen Jahren auf zuckerfreie Getränke umgestellt. Das klappt bei mir auch ganz gut 🙂
Tatj
Das kann ich mir vorstellen. Zuckerfreie Drinks gehen für mich gar nicht mit den „alternativ“ Süßungsmitteln, da kringeln sich schon meine Fingernägel 😂
Sari
Also allem voran finde ich es super, wie ehrlich und offen du das mit uns teilst. Auch das Gefühl, das du dabei hattest. Und ich finde es beruhigend, denn man sieht immer nur die Erfolgsgeschichten und selten die Stolpersteine, die die Menschen dabei zu wuppen hatten.
Ich habe ja auch mal massiv gut abgenommen und dabei aber so eine Angst vor dem Essen entwickelt, dass jedes bisschen sofort ein schlechtes Gewissen in mir hervorrief. Ich konnte nicht mehr genießen und das war gelinde gesagt Scheisse. Kann man gar nicht anders beschreiben. Entweder ganz dünn, aber dafür eben ständig von Angst und Unsicherheit begleitet oder dick und dafür Genuss pur und Scham dazu? Oder einen gesunden Mittelweg finden, der eben beides erlaubt. Ich finde es gut, dass du als nächste Konsequenz dich selbst hinterfragst und nach Lösungsstrategien und Herangehensweisen suchst, anstatt dich zu verkriechen. Danke fürs Teilen!
Tatj
Liebe Sari, Danke für deinen Kommentar!
Freut mich, wenn ich offen und ehrlich sein kann, ohne dass mich wer verurteilt. Es hilft mir schon sehr, wenn ich’s mir von der Seele schreiben kann und ist nur noch besser, wenn jemand mir eine positive Rückmeldung dazu gibt ☺️
Das mit dem Essen kenne ich auch viel zu gut. Im ersten Moment genießt man es total, aber danach kommt diese Reue… kA wie man das am besten nennt. Aber das ist eine andere Hürde, als die Zuckersucht… wir finden da schon alle irgendwie unseren Weg, wie wir am besten damit umgehen und uns wohlfühlen 😊