Beim diesmonatigen Bloggerschnack geht es um die Frage: Was habe ich durchs Bloggen über mich gelernt? Und ich fand die Frage ehrlich gesagt erstmal gar nicht so einfach. Nicht, weil ich in all den Jahren nichts gelernt hätte, sondern eher, weil ich Bloggen nie bewusst als etwas gesehen habe, das mir ständig irgendwelche tiefgründigen Erkenntnisse über mich selbst liefert. Ich schreibe halt. Ich bastle am Blog. Ich ändere Dinge. Ich verwerfe Sachen wieder. Ich denke über Themen nach. Ich rege mich über Kleinigkeiten auf. Also eigentlich alles wie immer. 😄
Aber je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr ist mir aufgefallen, dass mein Blog mir tatsächlich ziemlich viel über mich gezeigt hat.
Ich brauche meinen eigenen Weg
Beim Bloggen habe ich ziemlich deutlich gemerkt, dass ich Dinge nicht einfach übernehmen kann, nur weil sie überall so gemacht werden. Wenn mir eine bestimmte Art der Verlinkung nicht gefällt, mache ich sie anders. Wenn ich bei einem Beitragsformat keine Kommentare brauche, bleiben sie eben aus. Wenn mir irgendein Trend im Blogdesign nicht zusagt, muss ich ihn auch nicht übernehmen, nur weil gefühlt alle anderen ihn gerade toll finden.
Das passt eigentlich ziemlich gut zu meinem letzten Bloggerschnack zum Thema Blogdesign. Auch da ging es im Grunde schon darum, dass ich ziemlich genaue Vorstellungen davon habe, was zu meinem Blog passt – und was eben nicht. Gleichzeitig ändere ich selbst ständig irgendwas. Neue Formate, andere Strukturen, Kategorien, Design, hier noch ein bisschen CSS und drei Tage später vielleicht doch wieder zurück. Veränderung an sich ist also offensichtlich nicht mein Problem.
Sie muss nur bitte meine eigene Idee gewesen sein. Sobald etwas nach „Das macht man aber so“ klingt, möchte irgendein Teil meines Gehirns offenbar sofort wissen, warum eigentlich und ob es nicht vielleicht auch anders geht. Und ja, manchmal braucht es drei Anläufe, fünf Änderungen und ungefähr 47 kleine Umbauten, bis ich irgendwann sage: Jo, so passt es für mich.
Schreiben sortiert mein Gedankenchaos
Manche Beiträge entstehen nicht, weil ich schon genau weiß, was ich sagen möchte, sondern weil ich während des Schreibens erst herausfinde, worum es mir eigentlich geht. Im Kopf hängt gern alles gleichzeitig zusammen: drei Nebengedanken, zwei alte Situationen, irgendein Satz, den jemand vor vier Tagen gesagt hat und den ich natürlich immer noch analysiere, und irgendwo dazwischen versteckt sich dann vermutlich der eigentliche Punkt. Beim Schreiben muss ich dieses Chaos zwangsläufig ein bisschen sortieren. Und ziemlich oft merke ich erst dabei: Ach so. Daher kommt das also.
Vielleicht mag ich deshalb persönliche Beiträge und meine Sonntagsgedanken so gern. Nicht, weil ich darin jedes Mal irgendwelche weltbewegenden Erkenntnisse produziere, sondern weil Schreiben für mich eine ziemlich gute Möglichkeit ist, Gedanken irgendwo abzulegen, statt sie noch drei Wochen im Kopf spazieren zu tragen.
Und wahrscheinlich erklärt das auch, warum ich beim Schreiben oft deutlicher bin als im echten Leben. Ich habe eigentlich ziemlich klare Meinungen. Ich brauche nur manchmal ein bisschen länger, bis ich selbst genau weiß, wie ich sie ausdrücken möchte.
Ich muss mich nicht für alles erklären
Eine Sache, die mir durchs Schreiben ebenfalls ziemlich deutlich aufgefallen ist: Ich erkläre mich. Viel. Ich kann kaum irgendeine Entscheidung erwähnen, ohne gedanklich direkt noch ein kleines Begleitschreiben mitzuliefern, warum ich das so gemacht habe, weshalb das für mich Sinn ergibt und warum bitte niemand auf die Idee kommen soll, mich falsch zu verstehen. Offenbar sitzt irgendwo in meinem Kopf eine kleine Pressestelle, die rund um die Uhr vorsorglich Stellungnahmen zu Dingen verfasst, nach denen überhaupt niemand gefragt hat. Beim Bloggen merke ich das besonders, wenn ich einen Absatz später nochmal lese und denke: Moment. Warum verteidige ich mich hier eigentlich? „Ich möchte das so“ wäre theoretisch ein vollständiger Satz. Verrücktes Konzept, ich weiß.
Ganz los bin ich das natürlich nicht. Aber ich merke inzwischen schneller, wann ich wieder anfange, mich für etwas zu rechtfertigen, für das eigentlich gar keine Rechtfertigung nötig wäre. Und vielleicht ist genau das eine der persönlicheren Sachen, die mir das Bloggen über mich gezeigt hat: Ich darf eine Meinung, Entscheidung oder Grenze haben, ohne gleich noch die passende Verteidigungsrede hinterherzuschieben.
Offenbar kann ich doch ziemlich lange an etwas dranbleiben
Wenn mir jemand vor 20 Jahren gesagt hätte, dass ich heute immer noch blogge, hätte ich wahrscheinlich kurz gelacht und danach irgendeinen anderen Blog umgebaut. Und trotzdem bin ich noch da. Nicht durchgehend motiviert, nicht immer regelmäßig und ganz sicher nicht ohne Phasen, in denen ich alles doof fand, ändern wollte oder komplett neu angefangen habe. Aber aufgehört habe ich eben auch nie so richtig.
Vielleicht ist das tatsächlich eine Sache, die mir das Bloggen über mich gezeigt hat: Ich kann ziemlich viel Durchhaltevermögen haben, wenn mir etwas wirklich wichtig ist.
Nur sieht das bei mir offenbar nicht so aus, dass ich 20 Jahre dasselbe mache. Eher so: verändern, umbauen, Pause machen, wiederkommen, nochmal alles anders machen und trotzdem weitermachen. Auch eine Form von Konsequenz, würde ich sagen. Eine leicht chaotische, aber immerhin. 😄
Und offenbar werde ich das Bloggen nicht mehr los
Das ist wahrscheinlich die offensichtlichste Erkenntnis überhaupt. Ich blogge inzwischen seit ziemlich vielen Jahren. Es gab unterschiedliche Blogs, verschiedene Themen, Pausen, Umbauten, Neustarts und ungefähr drölfzig Ideen dazu, wie ich das alles noch anders machen könnte. Und trotzdem lande ich immer wieder hier. Beim Schreiben. Beim Fotografieren. Beim Basteln. Oder bei dem Gedanken: Daraus könnte ich eigentlich einen Beitrag machen.
Vielleicht ist Bloggen deshalb längst nicht mehr einfach irgendein Hobby, das ich irgendwann angefangen habe. Es gehört einfach zu mir. Nicht als große Lebensaufgabe und auch nicht mit dem Anspruch, daraus unbedingt irgendetwas Besonderes machen zu müssen, sondern einfach als mein eigenes kleines chaotisches Plätzchen im Internet.
Und wahrscheinlich hängt genau deshalb inzwischen auch so viel Nostalgie daran. Alte Beiträge, alte Fotos, Monatsrückblicke, kleine Alltagsschnipsel – Dinge, die damals völlig unspektakulär waren und die ich heute trotzdem gern wiederfinde. Mein Blog ist dadurch eben nicht nur das, was ich heute schreibe, sondern auch ein kleines Archiv von ziemlich vielen Versionen meines Lebens.
Wenn ich also zusammenfassen müsste, was ich durchs Bloggen über mich gelernt habe, dann wahrscheinlich vor allem das: Ich weiß mittlerweile doch ziemlich genau, was ich will, ich kann länger an Dingen dranbleiben, als ich manchmal denke – und ich brauche nur gelegentlich ein paar Jahre, mehrere Neustarts und ungefähr 47 Blogumbauten, um es selbst zu merken.








Schreibe einen Kommentar