Zwischen Kisten und Abschieden

Oder: Ich und mein latenter Umzugsdrang 📦✨

Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, wie ich anfangen soll. Es ist mal wieder Sonntag und – wie sollte es anders sein – das Thema Umzug sitzt mit mir auf dem Sofa. Mit Kaffee. Und einem leicht vorwurfsvollen Blick.

In den letzten zehn Jahren bin ich sechs Mal umgezogen. Sechs. Erst zum neuen Partner. Dann gemeinsam in eine neue Wohnung. Später aufs Land ins Einfamilienhaus (weil man das halt so macht, wenn man erwachsen ist, oder?). Jahre später zurück in die Stadt in eine schöne Wohnung. Dann in eine viel zu kleine Wohnung. Danach wieder aufs Land in ein Einfamilienhäuschen.

Und dann? Noch gar nicht richtig angekommen, da hatten wir schon wieder den Entschluss gefasst umzuziehen. Man könnte meinen, ich sammle Mietverträge. 📑

War ich mutig?
War ich verrückt?
Oder einfach nur ruhelos mit einem ausgeprägten Talent zur Selbstsabotage?
Vielleicht sollte ich Umzugshelferin werden, dann hätte ich eventuell keinen Drang mehr, schwere Möbel schleppen zu wollen – was meint ihr? 🙃

(War einmal kurz davor, mich bei einer Firma mit Reifenlagerung zu bewerben, damit ich täglich um die 30kg schleppen kann, hab’s aber dann doch gelassen, LOL)

Habe ich diesen Stress gebraucht? Dieses „Kartons sind auch eine Art Inneneinrichtung“-Gefühl? Habe ich mich selbst unter Druck gesetzt, weil ich mich bisher nie wirklich zuhause gefühlt habe? Suche ich etwas, was womöglich gar nicht existiert?

Fragen über Fragen. Antworten?

Landleben, Schlangen und andere kleine „Details“ 🐍

Der siebte Umzug lag also an. Wieder Richtung Stadt. Hamburg. Anderes Bundesland. Ein paar Kilometer vor der Großstadt – also nah genug für Urban Vibes, aber hoffentlich weit genug weg vom kompletten Wahnsinn.

Wir haben hier noch gar nicht so lange gewohnt. Und eigentlich war das Haus top. Die Lage? Auch top. Viel Platz, über 100 Quadratmeter Wohnfläche, Garten knapp 1k Quadratmeter, Ruhe. Instagram hätte es geliebt. Keine 50 Meter und wir standen im Wald.

Aber.

Im Sommer hatten wir plötzlich drei oder vier Schlangen im Gartenteich. Einfach so. Mit Hunden im Haus fühlte sich das… sagen wir mal… suboptimal an. Dann ein Wespennest im Zweiteingang. Eins wahrscheinlich irgendwo im Dach, da flogen sie auch gerne hin oder labten sich an den Holzbalken am Balkon. Ergo: Hunde dürfen nicht unbeaufsichtigt dort chillen. Eine Kröte oder Frosch, an dem Pepsi leider unbemerkt zu lange Kontakt hatte und anschließend Vergiftungserscheinungen hatte (gottseidank ist sie nochmal davon gekommen, weil wir schnell reagiert haben). Eine defekte Heizungsanlage. Wochenlang keine Heizung im Schlafzimmer. Minusgrade draußen. Luftfeuchtigkeit im Raum wie in einem tropischen Gewächshaus. Schlafen? Meh. Wenn ich ganz tief in mich reinhöre und ehrlich zu mir selbst bin, dann habe ich von Anfang an noch nicht einmal „richtig gut“ hier schlafen können. Kaum lief die Heizung wieder, meldete sich der Schornstein. Feucht. Bröckelnd. Natürlich war das alles nicht „unsere“ Baustelle. Aber es stresst mich trotzdem, dass ständig irgendwer kommt, prüft, hämmert, repariert. 🔨

Freitag, der 13.: unsere erste Nacht im neuen Häuschen. Auf dem Weg ins Bett bin ich unten die Treppe runtergerutscht: Ellenbogen aufgeschürft, fetter lila Fleck und den Fuß so gestaucht, dass ich fünf Monate Schmerzen hatte. Vielleicht war das schon ein Zeichen. Der Umzug in die neue Wohnung fiel übrigens wieder auf Freitag, den 13. Ob ich aus meinen Fehlern gelernt habe? Eher nicht. 🙈

Und dann war da noch dieses Platz-Thema. So viel Raum. So viel freie Fläche. So viel „Hier könnte man noch…“. Aber ich will gar nicht noch. Ich will cozy. Ich will kleiner. Wärmer. Heimeliger. Weniger Echo, mehr Gefühl. Versteht ihr? Wir haben eigentlich nur im Obergeschoss gelebt. Nach unten sind wir nur gegangen, wenn es wirklich nötig war.

Die Hunde übrigens auch. Die Treppe runter ins Schlafzimmer fanden sie eher so semi. Pepsi blieb abends irgendwann einfach oben im Wohnzimmer. Statement genug, würde ich sagen. 🐾

Spontan? Können wir. 🚚

Irgendwann – wie das Leben halt so spielt – sehen wir zufällig eine Anzeige. Schreiben eine Nachricht. Zwei Tage später Besichtigung. Nächster Tag: Zusage. Tag darauf: Unterschrift. Noch ein Tag später: Kündigung eingereicht.

Es fiel mir unglaublich leicht. Und gleichzeitig unglaublich schwer. Verrückt, oder?

Keine zwei Wochen bis zum Umzug. Ja, spontan können wir. 😅

Ich finde das Dorfleben toll, wirklich. Aber so richtig Zuhause? Fühlt sich anders an. Die Hunde wirken hier auch nicht komplett angekommen – außer im Sommer im Garten. Aber ich kann schlecht neun Monate im Jahr auf „Wird schon wieder schön, wenn’s warm ist“ warten. Dafür haben wir ja auch noch den Campingplatz. Und von der neuen Gegend aus sind wir wieder näher an Hamburg. Um genau zu sein knapp 10km nebenan. Vor allem super, wenn man einfach mal raus will, ohne einen halben Roadtrip zu starten.

Und jetzt sitze ich hier – nach dem Umzug, umgeben von Kartons – und schreibe das alles auf. Vielleicht ist es einfach so: Ich habe lange funktioniert. Habe Wohnungen bezogen, Möbel gestellt, Kisten ausgepackt – aber dieses tiefe Gefühl von angekommen sein? Das war selten da.

Und vielleicht war der siebte Umzug nicht ein Zeichen von Ruhelosigkeit. Vielleicht ist er einfach ein weiterer Versuch gewesen, endlich dort zu landen, wo es sich nicht nach „Übergang“ anfühlt. Am Ende muss ich glücklich werden. 💛

Und ich war lange nicht mehr so richtig „Zuhause-glücklich“. Wird mal Zeit. ✨




2 Kommentare zu „Zwischen Kisten und Abschieden“

  1. Ich drücke dir die Daumen, dass du nun „ankommst“ und glücklich wirst.

  2. Ich bin mein Leben lang herumgeirrt, weil ich immer auf der Suche war- wie ein kleiner „Caspar Hauser“ aufgewachsen, bin ich leider nicht so kompatibel- 3 Töchter mit 3 verschiedenen Frauen viele Umzüge, viel seelischer Mist.
    Jetzt bin ich angekommen- und es fühlt sich gut an. Seit dem habe ich zu allen meiner Exxen ein gutes Verhältnis und kann durchatmen.
    Das wünsche ich Dir auch: ankommen!

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