Was nach der Kastration schiefgelaufen ist

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Hilfe, meine Hündin denkt, sie ist ein Rüde! Also gut. Ich dachten, ich tu unserer Hündin (eigentlich RüdIn, sie war schon immer anders) etwas Gutes. Sie wurde immer wieder Schweinschwanger und es wurde mit jedem Mal schlimmer. Daher wurde mir vom Tierarzt zur Kastration empfohlen. Weniger Hormondrama, keine Scheinträchtigkeit mehr, kein Gerenne beim Spaziergang, wenn irgendwo ein heißer Rüde in 500 m Umkreis steht.

Klingt doch sinnvoll, oder? Spoiler: Es kam anders. Sehr anders.

Dieser Beitrag ist schon etwas länger im Entwurf, ich habe immer hin und her überlegt, ob ich ihn veröffentliche oder nicht. Letztendlich ist es nun soweit… Ach, wer mehr zu Bountys Kastration erfahren möchte – dazu habe ich November 2023 einen eigenen Beitrag verfasst.

Vorher: sanfte Prinzessin mit gelegentlichem Zickenbonus

Bounty war vorher nicht gerade ein Engel, aber sie war souverän, sozialverträglich, halbwegs gut erzogen – okay, „Leinenführigkeit“ war auch da schon eher eine Empfehlung als ein Befehl, aber hey, wir haben’s sportlich genommen und an guten Tagen brauchten wir nicht einmal mehr eine Leine.

Nach der OP: Wer ist dieser testosterongesteuerte Kerl?

Keine vier Wochen später dachte ich: Wo ist mein Hund hin? Und wer ist dieses pubertierende Etwas, das plötzlich pöbelnd in die Leine springt, jede Pinkelstelle markiert und sich benimmt, als hätte es gerade den Rüden-Führerschein gemacht?

  • Aggression? Jawohl. Besonders gegenüber anderen Hündinnen. Früher hat sie lieber mit Hündinnen gespielt, als mit Rüden. Jetzt knallt’s schon immer fast.
  • Triebverhalten? Als hätte man ihr imaginäre Hoden eingesetzt. Ständiges Markieren, Beinheben inklusive. Schwanzwedeln war gestern, jetzt wird gedrängelt.
  • Leinenführigkeit? Ein Mythos aus alten Tagen. Die Kraft der zwei Lenden – äh, der zwei Vorderpfoten – zieht mich mittlerweile durch jeden Park. Es ist einfach so peinlich.

Und dann war da noch das Fell …

Kastratenfell. Wer’s nicht kennt: Das ist diese zauberhafte Verwandlung von seidigem Hundefell in eine Mischung aus Topfschwamm, Staubwedel und Wollpulli aus den 80ern. Pflegeleicht ist anders. Und ich überlege ernsthaft, ob ich dem Hund einen Conditioner kaufen muss – oder gleich den Rasierer. Es legt sich unter der Unterwelle wie ein Schafspelz über die Haut. Es verfilzt schnell und es juckt anscheinend auch ständig. Von zwei Fellwechseln sind wir jetzt ganzjährig dabei.

Warum passiert sowas?

Hormone sind kleine, biestige Biester. Und wenn man sie plötzlich abdreht, sagt der Hundekörper nicht: Oh, schön, endlich Ruhe! – sondern eher: WAS ZUR HÖLLE GEHT HIER VOR?!

Die Eierstöcke regeln nämlich nicht nur den Zyklus, sondern auch Fell, Verhalten, Energiehaushalt – und scheinbar auch die Fähigkeit, sozial zu bleiben. Aber das sagt einem vorher keiner so richtig. Oder man will’s nicht hören. „Wird schon alles besser danach.“ Ja, nee. War nicht so.

Was tun, wenn der eigene Hund plötzlich Rüde light spielt?

Ich habe schon vieles probiert:

  • Verhaltenstraining (mit Zitaten wie: „Spannend, sowas hab ich auch noch nicht oft gesehen.“)
  • Ergänzungsfuttermittel
  • Tierarzt-Check – Schilddrüse okay, Blut okay, aber Psyche? Nun ja … hormonell entgleist trifft’s besser.

Fazit: Die Kastration hat Bounty verändert – leider nicht in die Richtung, die ich gedacht hätte

Nein, ich bereue die Entscheidung nicht komplett – aber ich hätte sie mit dem Wissen von heute vermutlich nicht nochmal getroffen. Oder zumindest länger überlegt, einen Hormonstatus gemacht, Mehr Meinungen eingeholt.

Denn: Eine Kastration ist ein massiver Eingriff in ein fein austariertes System. Und wenn das aus dem Gleichgewicht gerät, dann hat man plötzlich einen Hund mit Fell wie ein alter Teddybär und dem Temperament eines PuberTiers.

Wer kennt’s?

Wenn ihr ähnliche Erfahrungen gemacht habt – oder euren kastrierten Hund einfach auch manchmal nur anguckt und denkt: Was ist bloß los mit dir?! – schreib’s in die Kommentare. Lasst uns gemeinsam leiden. Oder wenigstens ein bisschen lachen.

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