Mein täglicher Marathon

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117 Kilometer – einfach. 234 Kilometer – hin und zurück. 936 Kilometer – pro Woche. 3.744 Kilometer – im Monat.

Klingt fast, als würde ich ein Fernfahrerleben führen, oder? Nur leider ohne das passende Gehalt und den Kaffee aus der Raststätte.

Als ich meinen alten Job nach dem Umzug wieder angefangen habe, dachte ich mir noch: „Ach, so schlimm wird das schon nicht.“ Ein bisschen gute Musik – easy. Tja. Heute weiß ich: Ich hätte mir lieber eine Wohnung im Büro gesucht.

Denn irgendwann merkt man, dass es nicht nur Sprit ist, den man da jeden Tag verbrennt, sondern auch unnötig Geld, Lebenszeit, Energie und Nerven. Man steht morgens auf, setzt sich ins Auto, arbeitet 10 Stunden, fährt wieder 117 Kilometer zurück – und wundert sich abends, warum der Tag schon wieder vorbei ist, bevor er überhaupt richtig angefangen hat.

Anfangs war ich noch stolz auf mich. Diszipliniert! Belastbar! Einsatzbereit! Heute bin ich einfach nur… müde. Erschöpft und ausgelaugt.

Und dann sind da noch meine Hunde. Die beiden schauen mich inzwischen an, als würden sie sich fragen, wer die Olle ist, die abends kurz Futter bringt und dann ins Bett fällt. Morgens? Keine Zeit für eine ausgedehnte Gassirunde – höchstens ein schneller Gang ums Haus.

Und als wäre das nicht genug, leidet auch die Beziehung darunter. Anfangs habe ich mir da keine großen Gedanken gemacht – wir hatten ja abgemacht: „Passt schon, wir schaffen das.“ Aber wenn „sich sehen“ irgendwann bedeutet, sich kurz abends auf halber Strecke zu treffen, fünf Minuten „Hallo“ zu sagen und dann wieder getrennte Wege zu fahren, dann nagt das.

Man denkt immer, man könne das alles mit Organisation, Disziplin und gutem Willen ausgleichen. Aber irgendwann merkt man, dass es keine App und keinen Kalender gibt, der einem mehr Zeit schenkt.

Ich hatte das alles unterschätzt. Und jetzt stecke ich in einem kleinen Dilemma: Der Job ist in Ordnung – aber der Preis dafür ist hoch. Ich pendle also nicht nur zwischen zwei Orten, sondern auch zwischen Arbeit und Erschöpfung, Pflicht und Sehnsucht, Vernunft und Herz.

Wie es weitergeht, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. Aber im Moment… rolle ich eben weiter – Kilometer für Kilometer, Gedanke für Gedanke. Warum ich das schreibe und veröffentliche? Hm. Weiß nicht, vielleicht, damit ich mich erleichtert fühle und mir in naher Zukunft stolz sagen kann: ha, ich hab’s aus der dunklen Phase geschafft! Ich bin nun glücklicher! 🙂

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